Archive for März 2012

WENN DIE POST KOMMT GEH ICH.

Der SZ-Nazigroschenroman

„Die tote Polizistin … hing wie eine fallengelassene Puppe aus der Fahrertür des Streifenwagens. Ihr linker Arm berührte den geschotterten Boden, der blutverschmierte Kopf ragte ein Stück aus dem Auto. Blut tropfte.“

Die SZ hat wohl in der Feder Hans Leyendeckers ihren literarischen Stoff gefunden. Allen Ernstes beginnt so ein Artikel über die Zwickauer Faschos, die elf Morde verübt haben (Beziehungsweise, in vielen Zeitungen so konkretisiert: „Zehn Menschen und eine Polizistin ermordet haben“ – was auch immer diese Konkretisierung zu bedeuten hat). Aber Leyendecker reicht nicht, aus faschistischen Mördern Terroristen zu machen, das waren aggressive, erbarmungslose, brutale

„Killermaschinen“

Aufreibend beschreibt er den Tathergang, samt poetischen Spitzenleistungen wie:

„Aber ihre Droge war Fremdenhass. Sie waren nicht süchtig nach Kokain, sondern aufs Ballern.“ […] „Gewalt und Hass – das war ihr Leben.“

Ich hoffe es gibt bald eine Fortsetzung. Eine einfühlsame Beschreibung des Point-of-no-Return des Uwe Mundlos, eine launige Fazetie über das „Terror-Trio“ und in der Katastrophe der ahnungslose Staat, der diesen Monstern, die plötzlich aus dem Nichts kamen, so schutzlos ausgeliefert war, in seiner Unschuld vom Bösen überrascht.

(The whole story: „Ein Leben voller Gewalt und Hass“ von Hans Leyendecker, SZ, 5.03.2012; irrtümlich in der Rubrik Politik abgedruckt)

agnoli e olio

Geradezu bissig können die Reaktionen sein, stellt man in Frage, ob wir in einer Demokratie leben. Es folgt der Verweis auf Despotien anderer Länder oder anderer Zeiten. Gleichzeitig bestreitet niemand ernsthaft, was Haffner so schön aus Johannes Agnolis „Transformation der Demokratie“ zusammenfasst:

„…das Volk [hat] nicht den geringsten Einfluß auf die Regierung, weder in der großen Politik noch auch nur in solchen administrativen Alltagsfragen wie Mehrwertsteuer und Fahrpreiserhöhungen. Die Kluft zwischen Regierenden und Regierten, Obrigkeit und Untertan, Macht der wenigen und Ohnmacht der vielen ist in der Bundesrepublik heute nicht geringer als etwa im Deutschen Kaiserreich, das sich offen als Obrigkeitsstaat verstand. Dies, obwohl die traditionellen Einrichtungen einer Demokratie – Parlament, Parteien, Pressefreiheit usw. – alle vorhanden sind und funktionieren. Nur funktionieren sie plötzlich sozusagen im Rückwärtsgang: Einrichtungen, die eigentlich als Transmissionsriemen des Volkswillen nach oben dienen sollen, wirken stattdessen als Transmissionsmechanismus des Herrschaftswillens nach unten. […] Das entmachtete Volk hat seine Entmachtung nicht nur hingenommen – es hat sie geradezu liebgewonnen. […] Demokratisches Verhalten wird nicht nur als Störung von Ruhe und Ordnung empfunden, sondern groteskerweise als Angriff auf die Demokratie selbst.“

(in: Johannes Agnoli: Die Transformation der Demokratie, 1969.)

Die Discounter-Kette Penny will endlich raus aus der Ramsch-Ecke.

Hm.

Wie wäre es mit einer Namensänderung?