Archive for September 2012

Bart, Roy, Hugh

migration

Eine Flüchtlingskarawane zieht von Würzburg nach Berlin um gegen die Residenzpflicht und rassistische Schikanen aufmerksam zu machen. Der Protest ist insofern erfolgreich, als er sich Aufmerksamkeit verschaffen kann. Nichtsdestotrotz behalten sich die etablierten Medien vor, über den Fußmarsch als eine Art Kuriosum zu berichten und die von den Flüchtlingen angesprochenen Mißstände nicht weiter zu beleuchten.

Oder:

Nicht ein mal das haben die Griechen hingekriegt: Als aktuelle Projektionsfläche für rassistisch konnotierte Ressentiments dürfen die Spanier herhalten, von denen es „hier mittlerweile nur so wimmelt“. Nicht immer, aber immer öfter begegnet man den altbekannten Ja-Aber-Phrasen nun mit den Bauteilen Stierkampf und O2-Arena oder Paella und Neukölln. Meine Güte, denkt man sich, dieses gähnend langweilige Spiel wird nie ein Ende haben.

Ungeachtet des profanen Bedienens und Funktionierens eines neuen Ressentiment und ob überhaupt, warum, warum nicht und/oder schnuppe – und ungeachtet einer medialen Verstellung des Blicks durch Fokussierung: in beiden Fällen handelt es sich um Bewegungsprozesse in angesicht einer Politik-, Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Blick darauf immer verstellt, denn verdreht von denen, die von der Verdrehung der Zusammenhänge profitieren.

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frank

„Es gibt die Welt des Satans.“

Frank Elstner.

das Papier nicht wert

Den Zeitungen geht es immer schlechter. Warum eigentlich? Die Berliner Zeitung von Donnerstag, dem 6. September 2012:

Seite 1: Ein großes Foto von Michelle Obama, ansonsten nichts Neues.

Seite 2: Ein noch größeres Foto von Michelle Obama, ansonsten nichts Neues.

Seite 3: Die Meinung von Steffen, Markus, Daniela, Matze, Christian und Arno. Außerdem eine Karikatur, die zum Schreien ist (aber nicht zum Schreien komisch).

Seite 5: ALDI aktuell, etwa: 4 Münchner Weißwürste, Homesocks oder Abdeckfolien-Set.

Seite 7: Immerhin eine beeindruckende Überschrift: „Beißkeil im Dickdarm“.

On top: ein sechzehnseitiger(!) DIN-A2(!)-Prospekt von Saturn, den man allein aufgrund des Umfangs für den Hauptteil der Zeitung halten könnte, ein weiterer Prospekt von Media-Markt, ein Hochglanzprospekt von Galeria-Kaufhof, ein Prospekt von Möbel-Höffner und schließlich ein letzter Prospekt von karstadt-sports, hinter dem meine Augen im schmalen Kultur-Teil nur den Namen „Puhdys“ streifen, bevor ich den gesamten Berg Müll wegschmeiße, weil ich meine Fenster nämlich gar nicht putze.

schaltet man in einer schwachen stunde die glotze an und sieht altmeyer bei markus lanz und sie reden über altmeyers aussehen (welches mir sogar lieber als das von lanz) und seine figurprobleme, schaltet die glotze sofort wieder aus und denkt „sometimes I feel better with a gun“ und dass dies die momente sind, in denen man sämtliche fernsehleute so tiefgründig verachtet und der lanz – irgendwas, was sich auf seinen nachnamen reimt und – apropos tiefgründig (oder apropos altmeyer?) – liegt immer noch moby dick auf dem nachttisch, den man jetzt endlich mal lesen könnte und schläft ein.

Fröhlichen Familien empfohlen.

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Leo Leowald