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THE TIME

the time

halloween

kinoEs ist eine durchaus amüsante Erscheinung, wenn Scharen kleinwüchsiger Hexen, Gespenster, Vampire, Monster und Entsprechendes bei Dunkelheit durch die urbanen Straßen ziehen, mit Eiern und Mehlbomben werfen, Türklinken mit Zahnpasta und Autos mit Rasierschaum beschmieren und zentnerweise Süßigkeiten durch die Gegend schleppen. Und wenn die Monster ein gewisses Teenie-Alter erreicht haben, um eine beeindruckende Kostümierung und eine adäquat aggressive Ausgelassenheit an die Nacht legen zu können, wirkt die Szenerie tatsächlich annähernd spooky. In dieser Altersgruppe zumindest scheint auch nicht mehr das Süße, sondern eher das Saure reizvoll.

Die hiesige Kritik an Halloween ist schlicht größtenteils berechtigt und schnell nachvollzogen: Es handelt sich um einen weiteren Event, durch den die Industrie tonnenweise Merchandise und Zucker in Lastwagen voller Geld eintauschen kann. Allerdings sind die Kritiker bisweilen selbst nicht sonderlich glaubhaft. Das bizzarre Konsumverhalten der Erlebnisgesellschaft ist unabhängig des Gruselimports bemerkenswert. Kein Hahn kräht auf diesem Mist, wenn sich eine gesamte Stadt wegen einiger Fußballspiele komplett mit schwarzrotgoldenem Müll behängt. Der weihnachtliche Konsumschwachsinn wird halbherzig beklagt und mit dem Rat, die Plätzchen doch lieber selber zu backen, gekontert. Zu Ostern sind es eine handvoll Hardcore-Christen, die nicht aberhunderte von Milka-Eiern verstecken und die im Gegensatz zu Halloween am Fasching getragenen, belanglosen Kostüme verschlingen ebenfalls Monatsgehälter.

Somit scheint die Kritik, die bisweilen gar in Hass umschlagen kann, noch anderweitig motiviert zu sein. Anti-amerikanische Impulse liegen schnell auf der Hand. Zwar kommt Halloween ursprünglich nicht aus den USA, wird aber als us-amerikanisch verstanden. Und ziemlich umgehend begegnet man auf diesem Terrain dann auch den berüchtigten Termini „Ruhestörung“ und „Vandalismus“. Last but not least wird eine Klage über die Verdrängung des Sankt Martins laut, der ungeachtet dessen ja auch jedes Jahr auf jedem Teppich steht.

Wenn die Halloween-Feinde letztlich also nur provinzielle Spießer sind, die sich um ihre deutsche Ruhe sorgen, dann kann man ruhigen Gewissens mit einem gerne selbstgebasteltem Gruselkostüm an ihrer Tür klingeln und „Trick or Treat“ rufen.

In einer grandiosen Folge von Buffy – the Vampire Slayer verwandelten sich die Leute aufgrund eines Fluchs in genau das, als das sie sich kostümiert hatten und metzelten sich in ihrer neuen Identität naturgemäß grauenhaft gegenseitig nieder. In so einem Fall wäre die harsche Kritik wohl eher berechtigt.