Alles auf Anfang – Das SO36 in den 1990er Jahren

*** english version below ***

Das SO36 in Berlin Kreuzberg ist seit „40 Jahren ein magischer Ort für krasse Musik, linksradikale Politik, wilde Exzesse und heftige Flashs.“ So steht es auf dem Rücken der zentnerschweren Chronik „SO36 – 1978 bis
heute“, die wir im März 2016 im Ventil-Verlag herausgegeben haben.

 

 

Aus dem Buch:

Alles auf Anfang – Das SO36 in den 1990er Jahren

von Robin Jahnke

 

 

Anfang 90er

Der Eindruck, in den 90ern hätte im SO36 immer nur Agnostik Front gespielt, trügt. Doch anfangs ist soviel wirklich nicht los. Der beschrittene Weg in die Professionalisierung (und Profanierung) ist mühsam und ätzend, aber gekrönt vom Erfolg. Was das SO36 in dieser Phase auf Beine und Bühne stellt, ist beachtlich. Die Konstante des umkämpften Raumes – ob von innen oder außen – zieht sich auch durch dieses Jahrzehnt. Immer wieder findet sich eine Gruppe von Leuten, die den Ort nutzen will und zwischen Repression, Gewalt, Drogen und Konsumscheiße-Vorwürfen (die die Kunstscheiße-Vorwürfe immer ergänzten, dann ablösen) aufgerieben wird. Personelle Kontinuitäten sind unter diesen Umständen kaum aufrecht zu erhalten. Die Gruppe, die Ende 1990 als „Sub Opus e.V.“ das fingermordende Scherengitter (Caroline) der alten Halle und any betriebswirtschaftliche Bedenken wieder beiseite schiebt, will Kultur für alle schaffen. So sieht dann auch das Programm aus: ambitioniert, aber sperrig. Es gibt Konzerte, Theater, Fotoausstellung, Bildhauerei – jede Veranstaltung muss auf dem Plenum durchgekaut werden.

Die interessanten Sachen spielen sich indessen zunehmend in den Ostbezirken ab. Dort ist gerade ein System zusammengebrochen und das andere muss sich erst noch um die fundamentalen Fragen der Annexion kümmern. Überall leerstehende Gebäude, keine Bullen = Techno-Parties im Schutt. Noch macht sich das im SO36 nicht wirklich bemerkbar, es wird eine Weile dauern, bis die zuckende Masse den Vorreitern in den Ostteil folgt, zudem gibt es einen kleinen Rückstrom an Ostpunks, die schon immer mal in diesen legendären Club gehen wollten – das SO36 als Kultur-Banane. Doch der Umzug der Szene findet statt, Techno wird Punk und die Clubs dieser Zeit sind ständige Vertretung, Ufo, Eimer, Bunker, Tresor, Walfisch. Dass die Betreibergruppe – so das Versprechen in der interim 1990 – aus dem SO36 „keine Goldgrube“ machen will, mutet retrospektiv erstaunlich an. Kreuzberg ist eigentlich schon wieder abgemeldet, Mauerblümchen, auch ohne Mauer. Und nicht selten empfinden die zurückgebliebenen Kreuzberger1 die Alternative gar als Verrat. Dennoch erhalten die frühen Vereinsgründer nicht nur die Halle als Ort, sondern erkämpfen jenen nötigen Raum der Subkultur und Behauptung. So wird aus Renitenz Relevanz, zunächst im Kampf gegen Faschisten.

Bereits seit Mitte der 80er nehmen die Angriffe von Nazis deutlich zu. Nach dem Fall der Mauer breitet sich landesweit eine dumpfe, nationalistische Stimmung aus, die mit der bald daran anknüpfenden Asyldebatte als Steigbügel in eine breite Allianz aus Nazis, Staat und „bürgerlichen“ Rassisten münden wird. Was in diesen ersten Jahren der 90er stattfindet, ist für Viele ein permanenter Schlag in die Fresse: Räumung der Mainzer, Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Silvio Meier, usw., usf. Bei zahlreichen Antifas, die anfangs noch ihren Gefallen an sportlichen Ausflügen aufs Land finden, stellt sich nach und nach enorme Frustration ein. In Hoyerswerda kriegt sich die etwas übereifrige Antifasist Gençlik2, die bereits im November 1990 an einer Antifa-Woche im SO36 beteiligt war, mit deutschen Antifas in die Haare. Ein Jahr später wird ein von Gençlik initiiertes Mackertreffen im SO36 mit Gangs mit albernen Namen3 zum Desaster. Als schließlich die Polizei nach Kaindl die Szene aufmischt, hat die Berliner Antifa überhaupt große Mühe, wieder auf die Beine zu kommen, bzw. konzentriert sich vermehrt auf die Arbeit in der AA/BO. Allgemein aber spielt das SO36 gerade in diesen frühen Jahren für die Organisation der antifaschistischen Notwehr immer eine wichtige Rolle: Neben direkten antifaschistischen Aktivitäten machen Bands wie Agnostic Front, Sick of it all und Slapshot hier (und in der TU Mensa) Kasse, um anschließend in kleinen Nazikäffern der näheren Umgebung Konzerte zu spielen und die dortige Szene zu unterstützen.

Man kann annehmen, dass die Strukturen, die sich in den nächsten Jahren – neben und entlang der Impulse aus der schwullesbischen Szene – veranstalterisch im SO36 etablieren, nicht zuletzt auch auf die Erfahrungen der antifaschistischen Aktion aus dieser Zeit zurückzuführen sind: Auf dem Hintergrund rechtsextremer Pogrome und Morde und einem gleichgültigen Staat wird die Sache existenziell, (Sub)Kultur schwankt zwischen Gegenentwurf und Bastion, die Nische reagiert auf ihre Bedrohung. Im SO36 klingen hedonistische Momente ab, effektivere Strukturen werden aufgebaut, langsam verschieben sich die Parameter von der Selbstverwirklichung zur Selbstbehauptung, welche nicht zuletzt zur Selbstausbeutung4 wird.

Myriam: „Man hat sich damals komplett selbst ausgebeutet. Ich war Vorstand, hab den Tresen angemeldet, das Booking gemacht, die Handtücher zum Waschen mit nach Hause genommen, war Tagesleitung von der Show, hab auf dem Hinweg plakatiert und auf dem Rückweg mit dem Fahrrad die Karten eingesammelt.“

Es sind vor allem zwei Sparten, deren Akteure den halbtoten Club in dieser Zeit unter ihre Fittiche nehmen: Insbesondere Heike und Myriam aus dem Ex fangen an, zusammen mit Marc, der schon Anfang der 80er als Teenie an der SO-Tür stand und Ende der 80er MAD gründete, die (Hardcore5-)Konzerte als Standbein zu etablieren. Gleichzeitig installiert der Teil der schwullesbischen Szene, der kein Bock mehr auf SchwuZ (oder nur SchwuZ) hat und dem die verkrusteten Strukturen des eigenen Millieus auf die Nerven geht, die (bald sagenhaft erfolgreichen, vor allem aber die Miete einspielenden) Queer-Parties im SO36. Trotz anfänglicher Skepsis der alten SO36-Crew ist schnell klar, dass Stühle geräumt werden müssen.

So wie die Konzerte und die Queers, sind auch Lesben und Schwule fraktioniert. Im Cafe Anal6 gibt es bereits frühe Einsichten, dass dieser Zustand geändert werden sollte, doch erst im SO36 gelingt es, die Abteilungen zusammen zu bringen. Somit schaffen es die Lesben und Schwulen innerhalb kürzester Zeit nicht nur, das mittlerweile recht seltsam gewordene Programm des blanken Ladens wieder mit Ideen zu füllen, sondern eignen sich gleichsam den für ihre Anliegen wichtigen Raum an, um sich zu formieren. Denn Anfang der 90er ist das homophobe Patriarchat bestens gelaunt, Transvestiten sind perverse Serienkiller mit Neigung zu Schmetterlingen, Lesben morden sliplos und kaltblütig mit Eispickel und die perfide Stigmatisierung von Aidskranken als Opfer der „Schwulenseuche“ nimmt erst so richtig Fahrt auf. Was die schwullesbische Szene im SO36 dem – fernab der direkten politischen Veranstaltung – an Opulenz im Folgenden entgegenzusetzen hat, ist bemerkenswert. Die späteren Partyreihen sind immer schillernd und radikal.

Nichtsdestotrotz wird das SO36 noch bis Mitte der 90er am Boden sein. Obwohl es ab 1993 eine deutliche Zunahme an Konzerten (Agnostic Front), Parties (Kiezdisco) und auch Kino (Falsches Spiel mit Roger Rabbit) gibt, greifen die ersten Professionalisierungstendenzen nicht. Die Miete hat sich vervierfacht, die Gema nervt, die Auflagen nehmen zu, das Geld versickert. 1995 verabschiedet sich das alte Kollektiv, der Mietvertrag läuft aus, ein Räumungsaufforderung schneit herein.

 

Mitte 90er

Beeindruckt von der städtebaulichen Initiative der Punks in Hannover im Sommer 1995 beginnen auch Diepgen und seine Clique (Fugmann-Heesing, „Frostschutzmittel-Pieroth“, „Tempodrom-Strieder“ und der „Herr der Kräne“) Berlin auf ihre Art in eine komplette Baustelle zu verwandeln. Nebenbei verscheuern sie, was niet und nagelfest ist. Die Love-Parade auf dem Kudamm wird endgültig zur Massenveranstaltung. Davon abseits laufen die Konzerte und Parties im SO36. Das „Cafe Fatal“ mit Anlauf7 (und anfangs noch mit Lindenstraße, bis die Gema kommt),Jane Bond“ undHungrige Herzen“ sofort, sind Erfolge. Es entsteht die „BlackGayNight“ und „Magic 3“ (siehe Ahima). Mit dem „Electric Ballroom“ kehrt das verstrahlte Nachtvolk wieder zurück nach Kreuzberg. 1996 zieht Fatma mit dem „Salon Oriental“, der später zu „Gayhane“ wird, ins SO36 ein. Von Beginn an soll die Veranstaltung offen für alle sein.8

Es sind die ersten Konturen des späteren SO36, die sich herausbilden. Schließlich wird eine eigene PA angeschafft, die zuvor noch für jede Veranstaltung bei Regenbogen geliehen wurde. Noch immer laufen die schwullesbischen Veranstaltungen und die Konzerte mehr oder weniger parallel zueinander, es gibt Konflikte und Irritationen, Homo-Tür9 und Heten-Tresen und vice versa. Dabei geht es weniger um sexualpolitische Auseinandersetzungen, sondern um milieuspezifische Exklusionen, wobei sich im chauvinistischen Gebaren Hardcorepunks und Schwule auf Augenhöhe befinden. Dennoch ist allen klar, dass Heten und Homos gemeinsam das Programm bestreiten wollen. Das SO36 veranstaltet mittlerweile auch große, alljährliche Shows wie „Wigstöckl“, „Teddy Award“ oder den „Red Ribbon Rave“ und auch die Konzert-Acts mit Bands mit albernen Namen10 werden größer. Allmählich zieht das SO36 (wieder) internationale Aufmerksamkeit auf sich und weiterhin wird fleißig (und schludrig zugleich) an der Professionalisierung gebastelt. Endlich werden auch die ersten Stellen geschaffen und so dringend benötigte Staatsknete rangeschafft.

Richard: Die Professionalisierung begann eigentlich mit den Arbeitsbereichen. Es gab ja auch Zeiten, da haben alle alles gemacht. Und dann kam irgendwann die Phase der kompletten Abgrenzung, da durfte der Podestbau auf gar keinen Fall die Leiter wegschieben, dafür musste dann jemand vom Licht angeschrien werden. […] Daraus hat sich dann Stück für Stück das Prinzip des Deligiertenrates11 entwickelt.

Auch in den folgenden Jahren bleibt das SO36 auf seine Art lässig, kann schon sein, dass ein Mitarbeiter gerade nicht helfen kann, weil er besoffen auf dem Lüftungsgitter eingeschlafen ist, obwohl die Konzerte größer werden, gibt es keinen Bühnengraben, Sunshine und Kerzen kaufen dürfen umsonst in den Laden schlurfen, die Preise sind erträglich, auch wenn die Punks von der Waldehalde zum xten mal das Konsumscheiße-Fass aufmachen und selbst die Tür ist noch nicht mit Schnellfeuerwaffen ausgestattet. Auf faszinierende Art und Weise ist trotz asozialer Entwicklungen die Zeit in Kreuzberg hinterher. Und noch immer hat der Bezirk auf den Schulhöfen der Republik den Ruf, dass man die Nacht nicht überlebt, wenn man sich dort auf der Straße aufhält. Indessen sind die Opfer, die tatsächlich zu beklagen sind, die des Drogenkonsums.12 Das ist die bittere Flanke dieser Zeit.

Ende der 90er

Endlich ist auch mal das SO36 mit Konsum-Scheiße-Vorwürfen an der Reihe: Zusammen mit dem Rattenwagen, dessen Motto Landowsky gestiftet, protestiert der Wagen des Clubs 1997 gegen die Kommerzialisierung des großen CSD. Dass die Ratten nicht im Müll wühlen, sondern sogar mit Schlamm schmeißen, hatte selbst Landowsky nicht vorraussehen können und dann passiert etwas ganz Unglaubliches: Die Bullen spalten die beiden Wagen ab und der große, ignorante CSD zieht einfach weiter! Was für eine Nummer. Die frappierende Entsolidarisierung ist die Geburtsstunde des transgenialen CSD, der seitdem in Ablehnung der Selbstgefälligkeit des schwullesbischen Mainstreams durch Kreuzberg zieht.13

Ebenfalls Ende der 90er wird die zunehmende Entpolitisierung und Randalisierung des 1. Mai vielfach kritisiert. Der Versuch, einen politischen, breiten Protest wieder herzustellen, scheitert. Die Autonomen zünden Peter Grottians Auto an und Silke Fischer, eine der Vereinsgründerinnen des Sub Opus e.V., und Cornelia Rheinauer verdrängen die sozialpolitischen Bemühungen mit dem kommerziellen „Myfest“, welches in den folgenden Jahren zum Touristen-Spektakel ausgebaut wird.

Im Juni wird das SO36 im PRINZ zum besten Club der Stadt gewählt. Die Leser loben Hungrige Herzen und Epicenter, die Deko und die Preise. Die Klos „sind nicht so toll“.

Der Laden läuft. Jeden Abend eine Show. Fast immer volles Haus. Tatsächlich klingelt die Kasse, aber das SO36 wird eben nicht zu der Goldgrube, vor der die Vereinsgründer 1990 noch gewarnt hatten: Niemand geht mit vollen Taschen nach Hause, es sei denn, er hat die Kasse mitgehen lassen.

Das Geld versickert so schnell wie es eintrifft, verteilt sich unter zahllosen Personen, die schlicht und einfach von ihrer Arbeit im Nachtlokal leben. Das ist ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte, und zwar die eines selbstverwalteten Ladens und nebenbei – eine international beachtete. Im Laufe der Zeit hat sich auch der Umgang mit spitzen Fingern untereinander gelegt, eine gemeinsame Homo-Hetero-Veranstaltung wird ins Leben gerufen: Lilo und Eddy organisieren das Kiezbingo, eine Idee, die als strategischer Coup bezeichnet werden kann14 und ein Renner wird.

Aber all die Erfolge sind nicht ohne Tribut: Niederschmetternd sind persönliche Tragödien, der Verschleiß, die Anstrengungen. Bei der Betrachtung der 90er stellt sich von Außen auch die Frage, warum sich die Betreiber so etwas antun.

Die Klos, die die PRINZ-Leser nicht so toll fanden, finden die HipHopper ganz prima, weil man durch die Fenster nämlich Waffen reinschmuggeln kann. Als der deutsche HipHop 1997 seinen Zenit erreicht, dürfen MCs, die irgendetwas zerficken wollen, nicht im SO36 auftreten. Fettes Brot, Massive Töne, Blumentopf und Freundekreis aber schon. Nun ist es vielleicht bei Freundeskreis nichts Verwerfliches, schlechte Laune zu kriegen, aber trotzdem muss man deshalb nicht den Flur im SO36 klarmachen. Die Schlägerei auf dem Konzert ist übel. Sich immer wieder reinzuhängen und als dank von ein paar adoleszenten Vollidioten angegriffen zu werden ist – ebenfalls übel.

Und immer und immer wieder die Anprangerung der Kommerzialisierung des Ladens. Die Mainstreamisierung ist nicht von der Hand zu weisen: Das SO36 ist musikalisch längst nicht mehr so „innovativ“ und der Punk’n’roll-Schick ist auch Ende der 90er schon anachronistisch und fade. Ästhetisch mag diese Kritik also greifen15, doch – entgegen aller Unkenrufe – bleibt der Club schlicht und einfach nicht profitabel.

Nervenaufreibend auch die Grauzonen-Debatten, mit Verve geführte Evergreens. Das ist ein schmaler Grat: Während auf der einen Seite das SO36 mit Argusaugen beobachtet wird und eine kurze, jahrzehntealte Textpassage einer Band bereits die komplette politische Intention des Betriebs und aller seiner Mitarbeiter in Frage stellen kann, muss sich demgegenüber das SO36 den Vorwurf gefallen lassen, den Humor seiner Beobachter mitunter auf eine harte Probe gestellt und bisweilen unzulässig die Distanz einer Band zu ihren eigenen Texten auch dem Publikum zugestanden zu haben. Wenngleich die Kritik oft hysterisch, so auch die Reaktion des SO36 nicht selten betriebsblind.16 Fakt ist aber, dass im Laufe der langen Zeit keine einzige Naziband im SO36 gespielt hat, sondern SO36-Leute enorme Anstrengungen im Kampf gegen Faschos vorweisen können.

Auch die geschlechterpolitische Bilanz – allgemein gegen Ende des 20. Jahrhunderts ernüchternd – fällt im SO36 besser aus. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen und Plateau-Schuhe. Die infame Wendung der Riot Grrrls in Girlies seit Mitte der 90er (Lucilectrics17 Verhöhnung emanzipatorischer Bemühungen ist ein Meilenstein des reaktionären Rollbacks), hat nun Ende der 90er die infantilisierten Geschlechter18 wieder an ihren Platz verwiesen. Im Publikum macht sich das mitunter bemerkbar. Doch im SO36 gibt es seit jeher ein ausgeprägtes Bewusstsein über geschlechterpolitische Fragen und nicht von ungefähr kommt, dass die Konzertabteilung des Clubs untypischerweise eine Frauendomäne ist. So gibt es einen klaren Unterschied zum Gemeindesaal des kleinen Dorfes, in dem sich schlicht abbildet, was von Außen hineingetragen wird: Es ist die subkulturelle und politische Position, die im SO36 als Gatekeeper fungiert.19

Als bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal dieser Zeit bleibt somit das SO36 alshybride Arena, in der sich diverse kulturelle, soziale und politische Linien überschneiden, und zwar in sehr viel höherem Maß als das in anderen Locations der Fall ist. Die charakteristische Heterogenität ist deutlich und konstitutiv. Wenn der stramme Hell-on-Earth-Tour-Besucher noch schwitzend und mit klirrenden Ohren in der Ecke liegt, schwingtderaufgedonnerte Gayhane-Besucher schon herein und es entsteht der spannende Moment der Defragmentierung. Was das SO36 in den 90er Jahren prägt ist eine wohltuende Diskontinuität der Stile, dessen einzig unverhandelbare Gundlage des Antirassismus und Antisexismus deklaratorisch an der Tür klebt. Das ist sowas von cool.

 

 

 

SO36 – Beginning of the ’90s

 

It is a misconception to think that only Agnostic Front played SO36 in the 90s. And yet, at the beginning of that decade, it is true that not a lot happened. The path that had been embarked upon towards professionalization (and profanation) was hard-going and sometimes troubled, but it was rewarded with success. What SO36 managed to organise and bring to the stage in those years is impressive.

And SO36’s constant problem of being a fought-over space – whether from inside or outside – did not go away throughout the decade. Time and again there was some group of people or other who wanted to use the venue and they became worn out between all the repression, violence, drugs and accusations of being commercial (which came in addition to the accusations of being too arty and then replaced these). It was hardly possible to maintain a continuous and stable personnel situation under such circumstances. The group – as Sub Opus e.V. – that was in charge at the end of 1990 of sliding open the finger-murdering lattice grating (Caroline) which covered the front door into the old venue and which swept aside any doubts about commercial considerations wanted to create culture for everyone. And this was reflected in the programme of events, which was ambitious but also very wieldy. There were concerts, theatre, photo exhibitions, sculpture – and every event had to be discussed in detail at the plenum.

The interesting stuff was starting to happen more and more in the city’s eastern districts. The system had just collapsed there and the other German system was busy coping with the fundamental questions of annexation. There were vacant buildings everywhere, no cops – Techno parties among the rubble. This was not yet impacting on SO36; it took a while until the twitching masses followed the pioneers into the eastern half of the city and there was a small flow of punks from the GDR who had always wanted to see the legendary club – SO as a cultural banana20. But the migration of the scene marched ahead, Techno replaced Punk, and the clubs of this period were Ständige Vertretung, Ufo, Eimer, Bunker, Tresor, and Walfisch. Soon more than a hundred houses in the eastern districts had been squatted. The fact that the group running SO – according to their promise in the interim newsletter in 1990 – didn’t want to turn the club into a “goldmine” seems absurd in retrospect. Kreuzberg was already out again, now a wallflower, but without a wall. And those left behind in Kreuzberg21 often felt the scene’s migration to the east to be a betrayal. So the early founders of the SO association not only had the venue, but also fought (sometimes with great commitment) to make it a space where sub-culture could happen and they could do their own thing. Out of defiance came relevance, first of all in the fight against fascists.

Attacks by Nazis had already been increasing considerably since the mid-1980s. After the Wall fell, a dull, nationalist mood swept the entire country, which, with the ensuing debate about the issue of asylum seekers, was to end in a broad alliance between Nazis, the state and “bourgeois” racists. What took place in these first years of the 90s was for many a permanent kick in the teeth: the Mainzer squat was forcibly cleared by police, and there was Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Silvio Meier, Mölln, Solingen, and so on, and so on. Many Antifas, who at the beginning had still found it entertaining to organise ‘sporty’ trips into the local countryside, became increasingly frustrated. In Hoyerswerda the somewhat overzealous Antifaşist Gençlik22, who were already involved in an Antifa week in SO36 in November 1990, clashed with German Antifas. One year later, a meeting at SO36 initiated by Gençlik and involving a bunch of machos in gangs with stupid names23 ended in disaster. When the police ultimately shook up the scene after the Kaindl case, Berlin’s Antifa had trouble getting back on its feet, and went on to concentrate its work in the Germanywide organisation AA/BO. In general, however, in these early years SO36 played an important role in the organisation of antifascist self-protection. In addition to direct antifascist activities, bands like Agnostic Front, Sick of it all and Slapshot brought money into SO (and TU Mensa), so that afterwards they could give concerts in small Nazi towns in Berlin’s surroundings to support the left-wing scene there.

One can assume that the structures that became established in the coming years in SO36 – alongside and along with the impulses that came from the gay and lesbian scene – can to a large extent be traced back to the experiences of the antifascist movement in those years. Bearing in mind the right-wing extremist pogroms and murders that were taking place, and a state that didn’t give a damn, it was a matter of existential important, (sub)culture swayed between offering an alternative and being a bastion, and the niche reacted to the threats facing it. Hedonistic tendencies subsided in SO36, more effective structures were set up, and the parameters moved slowly from self-fulfilment to self-assertion, which also became more often than not self-exploitation24.

Myriam: “We completely exploited ourselves back then. I was chairperson, was in charge of the bar, did the bookings, took home the hand towels to be washed, was the daily management for the show, put up posters on my way to work and on my way home again by bike, I picked up the tickets.”

There were two main groups whose members took the half-dead club under their wings at this time: in particular Heike and Myriam from Ex began establishing the (Hardcore25) concerts as one of the club’s mainstays, working together with Marc, who had already worked the door at SO36 as a teenager at the beginning of the 80s and who set up MAD at the end of the 80s. At the same time, part of the gay and lesbian scene who were fed up with SchwuZ (or with only having SchwuZ) and who were sick of the encrusted structures in their own milieu, began organising the (soon to be tremendously successful, but above all they brought in the rent) queer parties in SO36. Despite initial scepticism, it soon became clear to the old SO36 crew that changes in personnel would have to be made.

Just as the concerts and the queers were divided into factions in SO, so were lesbians and gays in the scene. In Café Anal26 it was already clear to many that this state of affairs had to change, but it was in SO36 that attempts to bring the two scenes together first succeeded. What then happened was, firstly, the gays and lesbians managed within a very short period of time to bring a great many new ideas to the event programme – which had taken on quite a strange form by then – at SO36, which was in financial straits. Secondly, they appropriated, as it were, a space in which they were able to realise their own thing and reshape it accordingly. This is important, because at the beginning of the 90s the homophobic patriarchate was having a swell old time, transvestites were perverse serial killers with an affinity for butterflies, lesbians wearing no underwear committed ice-cold murders with ice picks and the perfidious stigmatization of people with Aids referring to them as victims of the “gay plague” really got going. What the gay and lesbian scene went on to do in SO36 to counter these trends – without organising purely political events – was and is in all its opulence impressive. The parties that followed were always dazzling and radical.

Nonetheless, SO36 was on its last legs by the middle of the 90s. Despite the fact that, from 1993, there was a considerable increase in the number of concerts (Agnostic Front), parties (Kiezdisco) and cinema (Who Framed Roger Rabbit), the first moves towards professionalization didn’t bring the intended results. The rent had quadrupled, GEMA, Germany’s music royalties association was being a pain, there were more and more regulations to comply with and the money just trickled away. In 1995, the old collective took its leave, the rent contract ran out and an eviction notice was delivered.

The mid-90s

Impressed by the urban development initiatives by punks in Hanover in the summer of 1995, Berlin’s Mayor Diepgen and his clique began in their own way to turn Berlin into one large building site. In the process, they sold off everything they could get their hands on. The Love Parade became a mass event. SO36 somehow managed to survive. There are always people who just don’t break, even under the pressure of dire financial problems.

Marc: We were dreamers. DIY! If you want to do something, then just do it.

The circles of people involved got bigger, concerts and parties were taking place more often and with more success. Café Fatal needed some time to pick up27 (and it showed soap operas until GEMA turned up), but Jane Bond and Hungrige Herzen (Hungry Hearts) soon became a success. These were joined by the BlackGayNight and Magic 3 (see Ahima). And with Electric Ballroom the wasted people of the night came back to Kreuzberg. In 1996 Fatma moved into Salon Oriental, bringing Gayhane with her. The events were to be open to everyone from the beginning.28

What emerged were the first contours of the SO36 to come. At last an own PA system was installed: before that it had had to be borrowed for every concert from the nearby Regenbogen. The gay and lesbian parties and the concerts were still more or less running parallel to one another, there were conflicts and confusion, homo-door29 and hetero-bar and vice versa. This had less to do with sexual political disputes and more to do with exclusions specific to the milieu, where there was hardly any difference between the chauvinistic behaviour of the hardcore punks and that of the gays. Despite this, it was clear to everyone that the heteros and the homos wanted to organise the events programme together. SO36 was by that time also organising big, once-a-year shows like Wigstöckel, Teddy Award or the Red Ribbon Rave, and the concerts by bands with stupid names30 were also getting bigger. Gradually SO36 began drawing international attention again and everyone continued to work hard (albeit in a slipshod manner sometimes) on the process of professionalization. At last the first proper jobs were created, urgently needed state funding acquired and the “Deli”31 was set up.

Richard: The professionalization actually began when we set up different work areas. There were times when everybody just did everything. And then came the phase when everything was strictly separated; the platform team were not allowed to move a ladder, but had to scream at somebody from the lighting crew to do it. […] But at some point the structures became more consolidated and from that the principle of the Delegates Council developed bit by bit.

In the years that followed, SO36 remained relaxed in its way. It sometimes still happened that a colleague was unable to help at the moment, because he had fallen asleep drunk on the ventilation unit. And although the concerts were getting bigger, there still wasn’t a pit in front of the stage, Kreuzberg characters like Sunshine and Kerze kaufe (a candle seller) were allowed in for free, the prices were okay, even if the local punks still complained for the umpteenth time about shitty commericalisation, and the people on the door were not even armed with automatic weapons. Fascinatingly, despite some undesired developments, Kreuzberg was behind the times. And yet in Germany’s schoolyards the district still had the reputation that anyone venturing to walk the district’s streets at night was risking life and limb. In reality, the only victims of Kreuzberg’s streets were the victims of drug abuse.32 This was one of the bitter side effects of the times.

The end of the 90s

And finally it was the turn of SO36 to make accusations of commercialisation. In 1997, in protest against the commercial nature of CSD (Berlin’s Gay Pride), the club organised its own float, the “Rat Float”, taking its name from Berlin politician Landowsky’s comments that certain elements in the city were like rats rummaging among the waste and should be removed accordingly. The fact that rats don’t rummage in waste, but are even capable of throwing mud, is something that Landowsky obviously wasn’t aware of. And then something unbelievable happened: the cops separated these two floats off from the rest of the procession and the large, ignorant CSD simply marched on. How could that happen? This astonishing lack of solidarity was the birth hour of Kreuzberg’s own CSD (later “Transgenial CSD”), which since then has paraded through Kreuzberg every year in rejection of the complacency prevalent among the gay and lesbian mainstream.33

The end of the 90s also saw a great deal of criticism that the 1st of May demos had become less about politics and more about rioting. The attempt to reinstate a broad, political protest failed. While Körting (Berlin’s Chief of Police) showed himself to be unexpectedly open towards alternative strategies, feelings of mistrust were too great and it was not possible to reach agreement fast enough. It ended with members of the left-wing Autonom-group setting Peter Grottian’s car on fire and Silke Fischer, one of the founding members of Sub Opus e.V. and Cornelia Reinauer ousted political efforts by setting up the commercial “Myfest”, which developed to become a big tourist spectacle in the coming years.34

In June 1997, SO36 was chosen as best club of the year in PRINZ magazine. The readers praised Hungrige Herzen and Epicenter, the deco and the prices. The toilets are “not that great”, they added. The place was doing well. There was a show every evening, and the club was almost always full. While money was coming in, SO36 was still not the goldmine that the association founders had warned against in 1990. Nobody was going home with their pockets full, unless she or he happened to have stolen the night’s takings. The money trickled away as fast as it came in, divided up among the great number of people who earned their living from working there, and that was all. But it was without doubt a success story, the success story of a self-managed club and, what is more, an internationally respected one. In the course of time, the snottiness with which everyone treated one another was a thing of the past, and a joint homo-hetero event was called to life: Kiezbingo (neighbourhood bingo) organised by Lilo and Eddy, an idea that can be described as a strategic coup35 and which became a hit.

However, the successes also took their toll: particularly upsetting are the personal tragedies, the human wear and tear, the struggles. When one looks at SO36 in the 90s, the question arises as to why the people running the place would do that to themselves.

The toilets, which the PRINZ readers hadn’t rated very highly, were highly popular among Hip-Hop fans, because they could smuggle in weapons through the windows. When German Hip-Hop reached its zenith in 1997, MCs who were only looking to cause trouble were not allowed into SO36. But Fettes Brot, Massive Töne, Blumentopf and Freundeskreis did perform there. There is maybe nothing objectionable about getting in a bad mood when you hear Freundeskreis, but that doesn’t mean you have to go berserk in the corridor of SO36. The fighting that took place at the concert was nasty. Giving it your all and by way of thanks being attacked by a few adolescent arseholes is also nasty.

Again and again came accusations of commercialisation. The fact that the club had become more mainstream could not be denied: SO36 was no longer as “innovative” and the Punk’n’Roll fashion had also become outdated and fad by the end of the 90s. Therefore, in aesthetic terms, this criticism may be justified36, however – contrary to such fears – the club simply remained unprofitable. The fact that SO36 was flourishing didn’t earn more for the people running it, rather there were more people running it and so less to go around.

Extremely nerve-wracking were also the constant debates about whether the music of certain bands contained politically unacceptable content or not. It was a tightrope walk. While on the one hand SO36 was being watched like a hawk and one short, decades-old text passage in a band’s song might be enough to cast doubt upon the complete political intention of the club and all its employees, on the other hand, SO36 had to put up with being accused of sometimes having strained the humour of those watching it and of occasionally having granted – unacceptably – the audience the same freedom to distance itself from the text passages of a band as the band itself. Even though the criticism was often hysterical, SO36’s reaction was also often blinkered.37 Nevertheless, the fact is that in the course of its long existence, no Nazi band has ever played in SO36, and what is more, the people from SO36 have been actively and very much involved in the fight against fascists. And SO36 also cuts a good figure in terms of gender equality – a matter that elsewhere didn’t exactly draw a positive balance at the end of the 20th century. It was a fight against windmills and platform shoes. The infamous transformation of Riot Grrrls into Girlies which had been taking place since the mid-90s (Lucilectric’s38 mockery of emancipatory efforts is a milestone in this reactionary rollback) had put the infantilized sexes39 in their place again by the end of the 90s. This is sometimes apparent in the audience. However, there has always been a marked awareness of gender-political issues in SO36 and it is not without reason that the club’s concert department is non-typically a female domain. This makes it clearly different to a community hall in a small village, which only reflects what is going on outside. By comparison, it is a sub-cultural and political position opens the doors to SO36.40

One unique feature remains from this period, and that is SO36’s role as a hybrid arena in which diverse cultural, social and political lines cross each others‘ paths to a far greater extent than is the case in other venues. This characteristic heterogeneity in SO36 is significant and constitutive. When the drunk visitor to the Hell-on-Earth tour is still lying in the corner, sweating and with his ears ringing, the dolled-up Gayhane guest is already swanning in and what results is an interesting moment of defragmentation. What marked SO36 in the 1990s was a pleasant discontinuity of styles whose only non-negotiable principles of anti-racism and anti-sexism were posted on the front door for everyone to see. Now that really is cool.

 

Anmerkungen:

1Das ist überwiegend geografisch gemeint

2Die migrantische Antifasist Genclik versuchte insbesondere auch unpolitisierte Gruppen in den Kampf gegen Faschos miteinzubeziehen, was sich jedoch als konfliktreich erwies; Vgl.: ak wantok [hg.]: Antifa Genclik. Eine Dokumentation [1988 – 1994]; Münster 2014

3Black Panthers, 36 Boys, Barbaren, Fighters, Bulldogs, Sioux, Turkish Warriors und Yildizlar.

4Diedrichsen rahmt den Begriff Selbstausbeutung durch Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung in seiner Kritik der Ökonomie der Subkultur im Berlin der 90er und liest ihn – freudo-marxistisch angebunden – als antiemanzipatorisch. Im SO36 zeigt sich dagegen das Moment der Bedrohung, welches er komplett unter den Tisch fallen lässt. Aids (bzw. die tödliche Ignoranz von Kassen und Industrie) und Nazis bilden für Schwule und Punks die lebensbedrohliche Kulisse, vor der die Selbstausbeutung und Straffung von Hierarchien und Abläufen stattfindet. Hier geht es nicht mehr um die Akkumulation kulturellen Kapitals und einer kapitalistisch gewendeten Kreativität (seine Version des Konsum-Scheiße-Vorwurfs), sondern um ein Spannungsfeld aus Selbsthilfe und Notwehr. Vgl.: Diederichsen: Der lange Weg nach Mitte, 1999, S. 209 ff.

5Trotz MTV und einer mittlerweile gut strukturierten Independentszene gibt es in den 90ern noch die Verzögerung zwischen (pop)musikalischer Entwicklungsgeschichte und Lineup, die heute so nicht mehr existiert. Hardcore gehört eigentlich in die frühen 80er. Und so trat Black Flag 1983 (im Jahr von Everything Went Black) im SO36 auf, wenngleich dieses Konzert damals keinesfalls so bedeutsam war, wie im Nachhinein behauptet. Früh versucht das SO36 das Angebot der Stile breit zu halten, von frühen Hiphop-Acts bis hin zu Marianne Rosenberg. Dennoch wird im Laufe der Zeit Hardcore die Schublade für das SO36 sein. Die Unterscheidung in New School- und Old School-HC wird erst später als Spaltung begriffen und die „Unübersichtlichkeit der Stile“ (Büsser) ist vor allem eine für Nerds.

6Das 1990 gegründete Cafe Anal in der Muskauer grenzt sich als „Non-Profit Kollektiv mit Polit-Anspruch“ von Beginn an vom schwulen Mainstream ab. Vgl.: Margott & Marjott (Hg.): Olfen. Reise ins internationale Freundschaftslager, Berlin 2010, S. 16ff. Und S. 171ff.

7Ahima: Wir haben einfach auch viel experimentiert, es ist ja nicht so, dass alles sofort der Knaller war. Beim Cafe Fatal waren das erste mal ungefähr acht Leute da. Beim nächsten mal vierzig und dann gings irgendwann los.

8Mit zunehmendem Erfolg aber fühlen sich Schwule und Lesben in der Zooatmosphäre unwohl und sehen zu, den Zustrom an Heten wieder einzufangen; Vgl.: Fatma Souad in: Breakdance, Beats und Bodrum, 2002, S. 48

9Die Tür ist eine der ersten „gemischten“ Abteilungen.

10Napalm Death, Biohazard, Warzone, Church of Confidence

11Einmal wöchentlich wird der „Deli“ einberufen. Aus jedem Bereich (Tür, Podest, Tresen, usw.) wird ein Delegierter auf das Plenum geschickt, um über die anstehenden Fragen zu beraten.

12Auch die Plena des Clubs können zur damaligen Zeit sehr anstrengend sein, weil niemand weiß, wer gerade wo drauf ist und wer von wo herunterkommt; (zit. n. Richard Stein)

13Die schwulen und lesbischen Befreiungsbewegungen können weltweit – von San Diego bis nach Taipeh – zu den erfolgreichsten sozialen Bewegungen überhaupt gezählt werden. Das Patriarchat reagiert – leider oftmals erfolgreich – mit der Integration bekennender Schwuler und Lesben in die konservativen Eliten, die Bewegungen zerfallen und bleiben hinter ihren ursprünglichen Zielen zurück. Es sind Orte wie das SO36, die als Schulen der Solidarität dieser Infiltration standhalten.

14Weil die Soli-Parties nicht mehr laufen und gleichzeitig die Geschäftsleute aus dem Kiez über Flaute klagen wird über das Bingo-Spiel aus dem Merch der Läden der Soli finanziert. (S.: Artikel Eddy und Lilo)

15Hier trifft er durchaus zu, richtig dramatisch werden diese Fauxpas aber erst in den 00ern, als bspw. Flammen an die Flurwände gemalt werden.

16Oft auch einfach ein Problem der Attitüde: Während der Punk den Hippie hasst, den es gar nicht mehr gibt, fühlt sich der Schwule, der sich über Frauen das Maul zerreißt, vom homophoben Hardcore-Idioten angegriffen, der zwar Nazis verkloppt, aber dessen geistigen Horizont teilt und der kleinkarierte Linke versteht eh nur Bahnhof, hat dazu aber am meisten zu sagen, geht aber gar nicht aufs Konzert, weil er am nächsten Morgen Seminar hat.

17Lucilectric ist angeblich selbst nicht sonderlich glücklich über die Wirkung ihres damaligen Hits. So musste sie als Strafe für eine verlorene Wette im Cafe Fatal auf eine Schaukel steigen und diesen vortragen.

18 Gegenüber vom SO36, in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst, thematisiert die Ausstellung „Rosa für Jungs / Hellblau für Mädchen“ die Infantilisierung von Erwachsenen und gleichzeitige Sexualisierung von Kindern in der Werbung als Unsichtbarmachung erwachsener Weiblichkeit.

19Was in schon komischen Diskussionen münden kann, wenn etwa darüber gestritten wird, ob die Besucher des Public-Viewing der Fussball-WM nur ihre Fahnen abgeben müssen oder sich auch die Deutschland-Schminke abwischen müssen oder nicht.

20 When the Berlin Wall fell, the banana, an exotic fruit, took on symbolic meaning in reference to the lack of such products in the GDR.

21 This is mainly meant geographically

22 The migrant group Antifaşist Gençlik tried in particular to also include non-political groups in the fight against fascism which, however, proved to be a source of much conflict; see: ak wantok [Ed.]: Antifa Gençlik. Eine Dokumentation [1988 – 1994]; Münster 2014

23Black Panthers, 36 Boys, Barbaren, Fighters, Bulldogs, Sioux, Turkish Warriors and Yildizlar.

24 Diederichsen defines the term self-exploitation through self-determination and self-fulfilment in his criticism of the economy of Berlin’s sub-culture in the 1990s and reads the term – in Freudian-Marxist terms – as anti-emancipatory. In SO36, by comparison, there was a threatening moment that he completely neglects. Aids (and/or the lethal ignorance of the health insurance companies and industry) and Nazis constitute the life-threatening backdrop for gays and punks, before which the self-exploitation and the tightening up of hierarchies and processes takes place. Here it is no longer about accumulating cultural capital or about capitalist-driven creativity (his version of the accusation of commercialisation), but refers to an area of action arising from self-help and self-protection. See: Diederichsen: Der lange Weg nach Mitte, 1999, pp. 209 ff.

25Despite MTV and a by now well-structured independent scene, in the 1990s there was still a time delay between the (pop) music trends and live gigs, which no longer exists today. Hardcore actually belongs in the early 1980s. For example, Black Flag performed in SO36 in 1983 (in the year of Everything Went Black), although this concert was not as significant at the time as was later maintained. SO36 tried early on to keep the range of styles it catered to broad, from early Hip-Hop acts right up to Marianne Rosenberg. Nevertheless, over time Hardcore became associated with SO36 in Berlin. The differentiation between New School and Old School HC was not perceived as a split until later and the “confusion of styles” (Büsser) is mainly so for nerds.

26 Café Anal, founded in 1990 in Muskauer Strasse set itself apart from the gay mainstream from the very beginning as a “non-profit collective with political aspirations”. See: Margott & Marjott (Ed.): Olfen. Reise ins internationale Freundschaftslager, Berlin 2010, pp. 16ff and pp. 171ff.

27Ahima: We just experimented a lot, it’s not as if everything we did was an instant hit. The first time in Café Fatal eight people turned up. The second time it was forty and then at some point it just took off.

28 This had increasing success, but gays and lesbians didn’t feel comfortable in the zoo-like atmosphere and tried to reduce the number of heteros; see: Fatma Souad in: Breakdance, Beats und Bodrum, 2002, p. 48

29 The door was one of the first “mixed” departments.

30 Napalm Death, Biohazard, Warzone, Church of Confidence

31 The Delegates Council meets once a week. One delegate from each department (door, platforms, bar, etc.) is sent to the plenum, where the matters relevant to that week are discussed.

32 The club plenums were sometimes pretty hard-going at that time, because nobody knew what kind of state anyone was in at any one time and who was coming down from what (quote from Richard Stein).

33 The gay and lesbian liberation movements are worldwide – from San Diego to Taipeh – among the most successful social movements of all time. The patriarchate reacted – unfortunately often with success – by integrating gays and lesbians who had outed themselves into the conservative elites, and the movements fell apart and failed to achieve in full their original goals. It is places like SO36 that have withstood this infiltration as schools of solidarity.

34 SO36 lost its direction to some extent in this conflict, but ultimately came through and no longer takes part in the commercial festival.

35 Because the benefit concerts were no longer successful and neighbourhood business owners complained about a slump, the Bingo game was financed by the merchandise from the local shops who donated stuff out of solidarity (see contribution by Eddy and Lilo).

36 The criticism is definitely right here. These fauxpas got really dramatic in the 00 years, for example, when flames were painted on the corridor walls.

37 Often simply a problem of attitude: While punks hate hippies, who don’t even exist anymore, gays, who bad-mouth women, complain about being attacked by homophobic Hardcore-idiots who, although they beat up Nazis, share the same intellectual horizon as the latter, and narrow-minded left-wingers don’t understand anything at all, despite having more to say about it than everyone else, although they didn’t even go to the concert, because they had a seminar to go to the next morning.

38Lucilectric is apparently unhappy herself about the after-effects of her hit. As a punishment, after losing a bet at Café Fatal, she had to stand on a swing and perform the song.

39 Opposite SO36, in the gallery Neue Gesellschaft für bildende Kunst, the 1999 exhibition “Rosa für Jungs / Hellblau für Mädchen” (Pink for Boys/Light Blue for Boys) examined the infantilization of adults and the simultaneous sexualization of children in advertising as a means of rendering adult femininity invisible.

40 Which can sometimes lead to funny discussions, for example, when arguments ensued about whether the visitors should hand in only their flags or also remove their face make-up in Germany’s national colours during publicly televised football games.

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