nebbich-edition

Felix Pestemer. Robin Jahnke. Fanzine. 1997 bis 2001. Archiv.

 

(cover nebbich no. 1)

 

 

(kai voepel)

_   peinomon.

 nebbich ed. no.2 / 25-11-99 / zu: Oppositionsrezept

konzentrat a:

gutgemeinte lebensentwürfe als standardisierte imitation von auf-/ausbruch sind fergesteuerter anpassungsbereitschaft inhärent: die produktauswahl im supermarkt nicht dem aggressivsten anbieter in augenhöhe zu überlassen ist zierde. selbst als sorgenkind wird man kaum unvorhersagbar. vorgekautes partout nicht zu essen hilft nicht weiter, ist von ihnen eingeplant. schlechtgemeinte lebensentwürfe, sowohl unreflektiert als auch als reaktion auf pseudodissidenz sind voyeuristische schnelllebigkeit im sinne eines überforderten gelenktseins und reaktiv. wer sich damit abgefunden hat und identitäten nutzt, leidet unter elastizität und fließt unkommentiert in den raum. autorität ist bequemlichkeit. resignation = blowjob.

konzentrat b:

Leite in einem seitenlangen Pamphlet diagnostisch und unverblümt die maximale Ausweglosigkeit her. Konstruiere aus dem Resonanzboden deiner Innenwelt die imperiale Macht von Außen. Rechtfertige, ins Schreiben versunken, die Spinnweben, die dich, in deiner Versunkenheit immer fester fesseln. Empfinde deine Auflehnung als konsequenteste oder widerspenstigste Form ohne Rahmen, angesichts der niederschmetternden medialen und informellen Zerstreuung / Verdummung / Masse jeglichen Inputs = n.
Gehe so in einer stylischen Opferrolle auf und schaffe die Endzeitstimmung, die du für deine Paralyse brauchst. Entlarve Banalitäten als Deformation oder Entfremdung. Daß die  bedrohlichsten Aliens nicht erst im All auf uns warten, daß Großbaustellen religiöse Orte markieren und die erste Mondlandung wegweisend für den Stellenwert des Grimmschen Märchens in der Historie war (usw., du kennst das). Sei der poppigste unter den Neurologen.

Sei dir bei deinem Oppositionsrezept immer bewußt:
wer Zement in ein McDonaldsklo wirft, löst eine finanzbürokratische Kettenreaktion aus
wer Steine schmeißt, kann sich den Arm ausrenken
wer ein avantgardistisches Kunstprodukt herstellt, das sich von der Werbeästhetik abgrenzt, bestätigt die Macht der Branche und bietet neues Material zum Assimilieren
wer ein Auto abfackelt, hat immer etwas Gutes getan
wer etwas an eine Wand sprüht, sollte darauf achten, daß es gut aussieht
wer trommelt, gehört eventuell ins Stadion
wer

(cover der militäry-edition)

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(cover nebbich 2 von Kai voepel)

MMMMM

Ich hörte gerade die Lester Flatt and Earl Scruggs with the Foggy Mountain Boys und schoß Abflußsiebe mit der alten M16, saß dabei wie immer auf meinem Schreibtisch (weil das die faktische Bodenständigkeit negiert) und – Moment mal! – beschloß mitten im Beschießen, die Welt (widdewiddewitt) zumindest „an ihren Rändern“ zu verändern, zog mir endlich meine Hose mit den aufdringlichen Nähten an und klettete die Turnschuhe.

Gewartet und erwartungsvoll lief ich schnell nach vorne zum Lehrer und stürzte ins Klassenzimmer wie es war, hielt mich anfangs wacker, bekämpfte mit gespitzten Eselsohren Bügelfalten oder stellte Rebellen vor verendende Tatsachen. (Die Präsentation meiner Gefühle war immer das Inhaltsverzeichnis meiner Waffen, oder Wappen? Also jedenfalls eins von beidem.)  [dann der plot]: Ich traf grundsätzlich Kinn oder Kopf, leinte jeden HipHopper an, der nicht aufhörte zu sprechen, gebannt von Gegensätzen ich >Feuermelder< an einen Wasserwerfer schmierte, bis einer der Wasserwerfer H-H-Hass entwarf (Ha!) und mich nass machte. Als Anne Frank verkleidet, und das war bei weitem kein Schildbürgerstreich, zerriß ich die Deutschen Erzähler Band 1-3, Heine erst recht, aus japanischem Mitleid zerdrückte ich den grünen Punkt und zündete seine Tonnen an, gab den Haltsmaul-Korb einem ehemaligen Freund, usw. usf, etc, pengpeng.

Aber beim System ficken unterlief mir ein großer Schnitzer:

eigentlich: wollte ich die verdammte Glotze mal ausschalten. ABER: ich wollte auch anglotzen, was ich angezündet hatte. meine differenzierungsmethode in schwanger/nicht schwanger/bedeutungsschwanger stellt sich zunehmend als zu dichotom heraus. Drum, gings wieder nach hause, da las ich noch ein tolles Buch von Edgar Wolles.

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(fortsetzung folgt)

 

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