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dorf

für 2016

Effizienz und Nutzen, Spaß beim Küche putzen, Kalkül und Vitamine, für die Arbeitsbiene, die Frage ist dann wohl, ob du leer bist oder hohl. Nerven nicht verlieren, Cornflakes jetzt probieren, Tabletten gegen Schmerzen, Entspannungsbad mit Kerzen, die Frage ist dann nur, ob du blind bist oder stur. Yoga und Tai-Chi, Toys für Ihn & Sie, Grätsche und Spagat, und ein Ruccolasalat, die Frage ist dann halt, bist du hässlich oder alt. Ratgeber-Supertrick: Trainiere den Gewinnerblick. Augen auf beim Online-Kauf, Fahrradhelm beim Dauerlauf, die Frage ist ja eben, bist du drauf oder daneben. Er-go-no-mie, ist wichtig für dein Knie. deinen Körperfettanteil, findet hier wohl niemand geil, die Frage lediglich, ob du fick bist oder nicht. Zeitnot ist politisch, Gestresste sind nicht kritisch, Op-ti-mie-re dich, ich optimier mich nicht, denn die Frage lautet stets: wie geht’s?

SO36-Buch in der heißen Phase

Es ist nun bestimmt schon vier Jahre her, dass mich Lilo Unger vom SO36 im Sofia mit der Idee konfrontierte, ein Buch über den Club zu machen. Zahlreiche Legenden ranken sich um den alten Punk-Schuppen und es schien überfällig, die über dreißigjährige Geschichte zusammenzutragen und aufzuschreiben. Wir bildeten eine Buchgruppe mit Nanette Fleig, Lith Bahlmann und Erik Textflex. Später kam George Lindt (lieblingslied-records) dazu. Es war verdammt hart, sich durch die Fantastilliarden an Anekdoten, Narrativen, Informationen, Akteuren und Begebenheiten zu kämpfen. Nun befinden wir uns endlich in der heißen Phase – die letzten Texte und Bilder trudeln ein und in Kürze übergeben wir das Paket der Formdusche. Publikation im November 2015. Februar 2016.

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Die Schraube

Eine winzige Schraube fiel Johannes Knirsch am frühen Morgen des 28. Februar aus der Nase, direkt auf sein mit Butter bestrichenes Frühstücksbrötchen. Er saß zunächst regungslos am Küchentisch und starrte die Schraube verständnislos an, als rechnete er damit, dass sie im nächsten Moment losfliegen würde. Die silbern glänzende Kreuzschlitzschraube maß höchstens zwei Millimeter und zeigte ein fein geschliffenes, kaum erkennbares Gewinde. Sie rührte sich nicht. Sie lag lasziv auf ihrem Bett aus Butter und funkelte im Licht der Morgensonne, als hätte nicht er sie, sondern sie dort etwas verloren, als wäre das in irgendeiner Ordnung. Die farbstoffrote Himbeermarmelade oder Erdbeerkonfitüre rutschte vom Messer und tropfte auf das gelbe Tischtuch. Hans beschlich ein ernstes Gefühl der Sorge. Er betastete seine Nase, zog etwas an ihr. Er drückte auf die Nasenspitze, fuhr mit dem Finger das Nasenbein entlang und kontrollierte die Nasenflügel. An der Nase selbst schien nichts ungewöhnlich zu sein.

ruegen

Episodischer Roman im Auftrag der Santacruz International Communication. Illustrationen von Felix Pestemer. Zweisprachige Publikation als Print- und Audioversion, erscheint anlässlich des Deutschland-Mexiko-Jahres 2016.

 

 

 

 

 

Postromantizismus
‚Kreidefelsen auf Rügen (Fälschung)‘
Bleistift und Tusche auf Papier, 34 x 25 cm,
F. Pestemer